Dienstag, 21. November 2017

Hell wie ein Glöckchen


Gerade so, als würden grünlich schimmernde Würmchen sich ineinander verschlungen festhalten, pulsierten die Sterne mit jeder Bewegung der winzigen Leiber. Ping! pickte das Huhn an einen Stern, der daraufhin ertönte wie ein Glöckchen, ohne dass der Schnabel eine Spur hinterließ.


Ludwig Janssen © 21.11.2017

Montag, 20. November 2017

Sterne wie Pflaumen


Poock! lugte das Huhn in die Kiepe. Schalupkes geträumte Gestalt saß, wie in Schlaf versunken, daneben. Die Sterne, die von unten betrachtet wie Körner ausgesehen hatten, lagen nun ein jeder groß wie eine Pflaume in der Kiepe und schimmerten. Es schien, als würden sie sich bewegen.


Ludwig Janssen © 19.11.2917

Sonntag, 19. November 2017

Heimkehr


Daheim angekommen, ließ Herrn Schalupkes Traumgestalt sich auf der Bank hinterm Haus nieder. Stellte die Kiepe neben den Tisch. Der Schatten eines Fuchses tauchte ins Gebüsch ein. Das Huhn kam pock! angelaufen, hüpfte auf die Bank, hüpfte auf den Tisch, legte das Köpfchen schief.


Ludwig Janssen © 17.11.2017

Samstag, 18. November 2017

Eine Leiter am Mond


Herr Schalupke kam am Mond vorbei und fand dort eine Leiter angelehnt, die hinab zur Erde führte. Wohin? Goudanien? Die Leiter wackelte. Ein Mann mit Hut kam hinauf. Grüßte, ging seines Wegs, ließ sich auf einem Kraterrand nieder. Der Mann mit Huhn stieg hinab, der Morgen graute.


Ludwig Janssen © 17.11.2017

Besuch in der Nacht


Letzte Nacht, Herr Schalupke schlief wohl unterm Flügel seines Huhns geborgen, kratzte etwas an der Terrassentür. Ein Fuchs! Wollte Schalupkes Huhn zum Essen einladen. Das legte sein Köpfchen schief: 
Pock?
Chchchrrr, sabberte der Fuchs und kratzte an der Scheibe.
Pooock!
Tja ...

Ludwig Janssen © 15.11.2017

Donnerstag, 16. November 2017

Sterne pflücken


Herr Schalupke schwebte, Traum im Traum, am blauen Nachthimmel. Pflückte Sterne für sein Huhn. Hühner, die viel Grün fressen oder Mais, legen Eier mit goldgelbem Dotter. Und sein Huhn würde er mit Sternen füttern. Herr Schalupke legte noch etwas vom Blau der Nacht in die Kiepe.


Ludwig Janssen © 15.11.2017

Mittwoch, 15. November 2017

Etwas mit Pflaumen

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH

Dem Paar fiel auf, dass sich zwischen Millas Augenbrauen eine Falte aufwarf und sie sich mit beiden Händen übers Gesicht fuhr, als könne sie diesen ihre Aufmerksamkeit störenden Gedanken fortwaschen.

„Sind Sie müde?“

„Nein, ist schon gut, nichts …“

Vergeblich hatte Milla auf die ihr vertrauten Bilder von Früchten und Aromen gehofft, die sich ihr bei derlei Gesprächen zu einer ersten Idee für eine dem Paar und seiner Liebe entsprechenden Torte fügten.

„Was halten Sie von Pflaume?“

„Pflaume?“

„Der Geschmack von Pflaumen. Als zentrales Thema. Um diesen Geschmack, dieses Thema ließe sich eine Torte aufbauen und …“

„Ich weiß nicht“, fiel die junge Frau ihr ins Wort, „was Pflaumen mit uns beiden zu tun haben sollten.“

„Liebes“, der junge Mann legte den Arm um ihre Schultern, „lassen wir uns doch überraschen. Frau Cremeso ist die Tortenfee und wird schon wissen, warum sie bei uns an Pflaumen denkt.“

„Wir sind doch keine Pflaumen!“

Hart wie ein Stein fiel die junge Frau aus der romantischen Stimmung, löste ihre Hand aus der des Mannes.

Milla zweifelte. Stützte die Handflächen auf den Tisch und erhob sich von ihrem Stuhl.

„Ich bin mir selbst nicht so sicher, doch habe ich da so eine Idee, die ich noch weder in Worte fassen, noch zu einer Torte werden lassen kann. Geben Sie mir bitte etwas Zeit.“

Das Paar war ebenfalls aufgestanden und wandte sich zum Gehen.

„Abgemacht!“ Der Mann ergriff die Hand, die Milla ihm bot und half dann seiner zukünftigen Verlobten in den Mantel, öffnete die Ladentür: „So machen wir das! Ich bin schon gespannt, was für eine Torte Sie für uns machen werden. Gibt es …“

„Ja“, Milla lächelte, „eine Kostprobe gehört selbstverständlich dazu. Ich melde mich bei Ihnen. Für wann, sagten Sie, haben Sie die Feier geplant?“

„In vier Wochen ist es soweit. Dann reisen ihre Eltern an, um meine kennenzulernen.“

„Bis dahin werden wir schon eine passende Torte gefunden haben, auf Wiedersehen!“

„Auf Wiedersehen!“

Leise schob Milla die Ladentür ins Schloss. Noch von draußen hörte sie die junge Frau:

„Pflaumen, wir sind doch keine Pflaumen …“

Sonntag, 12. November 2017

Schalupkes Huhn und ein blauer Traum

Schon oft hatte das blaue Huhn, Herrn Schalupke zum Schlafen unter den Flügeln geborgen, zum Sternenhimmel aufgesehen und sich gefragt, wie jene Körner dort wohl schmeckten. Heute Nacht träumte es, Herr Schalupke flöge, Traum im Traum, dort hin. Eine Kiepe auf dem Rücken. Po°ck!


Ludwig Janssen © 12.11.2017

Schalupkes Huhn bei Christian Morgenstern

Heute kam Schalupkes Huhn vom Bahnhof her. Spät. Hatte dort ausgeholfen, war quer durch ein Gedicht mit Bahnhofshalle. Der Abendstern begann, vom tiefer werdenden Blau her zu blinken. "Na, wo war'sn du?" nahm Herr Schalupke es unter den Arm und ging heim. 
"Pooock!" 
"Ja, ja ..."

Herr Schalupke im Mondschein

Mondschein. Herr Schalupke stand, sein Huhn unterm Arm, auf einer Wiese. Wie, dachte er so bei sich, kam ich hierher? Keine Antwort. Auch nicht vom Huhn. Das legte sein Köpfchen zur Seite und meinte: "Po°ck!" "Ach, so ..." Herr Schalupke war's zufrieden und blieb ein Weilchen.

Ludwig Janssen © 8.11.2017